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Qualitätsunterschiede haben sich gewaschen

31.03.2017     MICHAEL STAUB, Journalist BR, Kriens

Waschküche – Waschmaschinen sind heute schon für wenige hundert Franken erhältlich. Der Kauf eines hochwertigen Geräts zahlt sich jedoch über lange Zeit aus. Manche Modelle können sogar von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Ein grosser Touchscreen, Dutzende von Programmen, wenn möglich noch die Verknüpfung mit einer App – so kann man heute eine Nähmaschine beschreiben. Aber auch einen Backofen, ein Tablet oder eine Waschmaschine. Die Unterschiede zwischen «dummen» und «intelligenten » Geräten sind fliessend geworden. Und weil sich ein Rad oder eben eine Waschmaschine kaum neu erfinden lässt, verdecken die unzähligen Neuerungen manchmal den Blick auf das Wesentliche.

Daniel Amport leitet die Niederlassung Luzern der Fischer KF Haushaltgeräte + Küchenbau AG. Welche Kriterien sind seinen Kunden beim Kauf wichtig? «Die meisten Leute sind heute sehr auf kurze Waschzeiten erpicht», sagt Amport, «zudem möchten sie Zugriff auf viele Funktionen haben. Auch die Energieeffizienz ist fast immer wichtig. Die Leute wollen gute Maschinen, die lange halten.»

Wichtige Zusatzleistungen

Im Showroom an der Obergrundstrasse stehen die Waschmaschinen und Tumbler in langen Reihen. Was die Kundschaft brauche oder wolle, ergebe sich im gemeinsamen Gespräch, sagt Amport: «Wenn jemand schon bisher mit einer Maschine von Schulthess gewaschen hat, dann bleibt es meistens bei einer Schulthess. Das gilt auch für die anderen Hersteller. Wir wollen niemanden umerziehen.» Neben den funktionalen Ansprüchen und einer allfälligen Lieblingsmarke spielt auch das Budget eine Rolle. Waschmaschinen mit sieben Kilogramm Zuladung sind bei Elektrodiscountern schon ab 300 oder 400 Franken erhältlich. Im Luzerner Fachgeschäft beginnen die Bruttopreise bei etwa 2000 Franken und reichen bis zu 6500 Franken für das absolute Topmodel. «Diese Preise werden in der Praxis allerdings stark rabattiert, und zwar bei allen Herstellern», relativiert Daniel Amport. In der Regel betrage der Rabatt etwa 35 bis 40 Prozent, womit die Schweizer Nettopreise nicht mehr allzu weit von den Europreisen im nahen Ausland entfernt sind. Das zeigt ein Beispiel: Eine Maschine, die gemäss Preisliste 2000 Franken kostet, würde in Luzern für netto 1200 Franken verkauft, der EU-Listenpreis beträgt 1100 Euro. In der Schweiz bezahlt man also unwesentlich mehr, hat dafür aber Anspruch auf gute Beratungs-, Service- und Reparaturleistungen.

Doch wie beim Bauen gilt auch bei der Waschmaschine: Die Anfangsinvestition ist nur die eine Seite der Rechnung. Mindestens so wichtig ist eine problemlose Nutzung über den gesamten Lebenszyklus. Und genau hier stossen Discountmaschinen an ihre Grenzen. Bei einer Waschmaschine können in der Regel nur relativ wenige Elemente kaputtgehen. Dazu gehören das Einlassventil für das Wasser, der Keilriemen für die Trommel, die Laugenpumpe und – wie bei allen elektronischen Geräten – die elektronische Steuerung.

Für die Geräte etablierter Hersteller gilt in der Schweiz eine stillschweigende Regel: Nachdem die allerletzte Maschine vom Band gelaufen ist, werden die Ersatzteile für zehn bis zwölf Jahre bereitgehalten. «Je nach Gerät und Hersteller gibt es andere Schwachpunkte, diese kennt man mit den Jahren. Genau diese Teile haben wir dann in unserem eigenen Ersatzteillager oder gleich in den Servicefahrzeugen unserer Monteure», erläutert Amport. Bei allen verkauften Geräten könne man innerhalb von 24 bis 48 Stunden einen Techniker für Reparaturen vorbeischicken. Auch deshalb sei eine Beschränkung der vertretenen Hersteller notwendig: «Wenn wir alle in der Schweiz verkauften Geräte servicieren möchten, müssten unsere Monteure statt im Transporter mit einem 40-Tönner vorfahren.»

Teurer ist besser

Bei jedem technischen Gerät kann durch Benutzung oder Alterung ein Defekt auftreten. Trotzdem gibt es grosse Unterschiede in der Fertigungsqualität. «Bei den hochwertigen Geräten wird einfach ganz anderes Material verbaut. Die Stossdämpfer, Lager, Trommeln oder Aussenbleche sind viel besser als bei Billigmaschinen. Auch die Oberflächen sind härter im Nehmen, etwa dank emaillierter Lacke statt Plastikteilen. Dafür bezahlt der Kunde etwas mehr, kann aber mit einer längeren Lebensdauer der Maschine rechnen», sagt Daniel Amport. Eine Waschmaschine verrichte ihren Dienst im Durchschnitt ungefähr zehn bis zwölf Jahre. Die Lebensdauer günstiger Modelle sei wesentlich geringer, bei teureren Maschinen könne man eher von einer längeren Nutzungsdauer ausgehen. «Auch die Sorgfalt im Umgang mit der Maschine und die Wartung spielen eine Rolle», sagt Amport.

Als Faustregel für Haushaltgeräte gilt bis heute: Was die anspruchsvollen Schweizer Kunden kaufen, lässt sich problemlos in ganz Europa vermarkten. Die Hersteller im oberen Preis- und Qualitätssegment legen deshalb grossen Wert auf die Beständigkeit ihrer Geräte. So sagt etwa Barbara Haueter, Pressesprecherin bei Miele: «Unsere eigene Werknorm legt fest, für wie viele Zyklen die Geräte ausgelegt sind. Eine Waschmaschine wird zum Beispiel auf 10 000 Betriebsstunden geprüft.» Dies entspricht fünf Programmen pro Woche über eine Lebensdauer von 20 Jahren. So lange sollen auch Wäschetrockner oder Geschirrspüler im Einsatz stehen. Letztere prüft Miele auf 15 000 Betriebsstunden. Dies entspricht einem Programm pro Tag, ebenfalls über 20 Jahre.

Schweizer Beständigkeit

Auch beim Schweizer Hersteller V-Zug müssen die Geräte zahlreiche Tests bestehen. Neue Modelle werden laut Marketingleiter Philipp Hofmann zuerst digital simuliert. «Mit Hilfe von CAD-Programmen erkennen wir Schwachstellen noch vor dem Bau des ersten Prototypen.» Darauf folgen Langzeittests und schliesslich der Einsatz bei Testkunden. Diese waschen über Monate oder gar Jahre mit den neuen Geräten, bevor diese in Serie gehen. Waschmaschinen der «Adora»-Linie sind für den Privathaushalt ausgelegt. Sie schlucken im Lauf ihres Lebens bis zu 6000 Chargen. Gar auf 15 000 Chargen bringen es die «Unimatic»-Geräte, die sich auch für Mehrfamilienhäuser eignen. Für beide Linien, die vollständig in der Schweiz hergestellt werden, bietet VZug eine Ersatzteilgarantie von bis zu 15 Jahren.

Gar in Jahrzehnten rechnet man in Büron LU. Hier steht seit 1909 die Waschmaschinenfabrik Wyss-Mirella. Bis heute pflegt die Firma eine Schweizer Spezialität, die bodenverschraubte Waschmaschine. Ein starr konstruierter Bodenrahmen mit aufgeschweisstem Chassis wird fest im Boden verankert. Am Chassis wird die Trommel fix montiert. Es gibt also keine Stossdämpfer. «Nur diese Konstruktion gibt die Gewähr, dass eine Maschine 25 bis 30 oder noch mehr Jahre alt wird», sagt Geschäftsführerin Marlys Wyss. Weil alle Schwingungen der Maschine in den Boden eingeleitet werden, gibt es kein Mitvibrieren der elektrischen Komponenten und anderer Bauteile. In den ersten zehn bis zwölf Jahren sind laut Wyss kaum je Reparaturen fällig. Und auch im zweiten Jahrzehnt der Nutzung seien es meist Bagatellen: «Sehr oft müssen unsere Servicetechniker lediglich einen Keilriemen oder eine Türdichtung ersetzen.» Während heute fast jede Waschmaschine ein umfangreiches elektronisches Innenleben besitzt, funktionieren die Geräte aus Büron mit elektromechanischen Steuerungen. Diese sind weniger anfällig gegen Feuchtigkeit, zudem kann jedes Bauteil einzeln ersetzt werden.

Bedächtige Modellpflege

Der Bruttopreis einer «Optima 3100» von Wyss-Mirella beträgt 5850 Franken. Auch hier ist ein gewisser Rabatt einzurechnen, etwa beim Eintausch eines alten Gerätes. Um das Versprechen einer überdurchschnittlichen Lebensdauer einzuhalten, ist die Ersatzteilhaltung zentral. Der Modellwechsel vollzieht sich bei Wyss-Mirella in bedächtigen Zyklen, die Firma produziert nur eine Handvoll Modelle. Theoretisch kann sie noch heute Geräte aus den 1960er- Jahren reparieren. Das Können und Wollen sei vorhanden, die Reparatur allenfalls eine Preisfrage, sagt Marlys Wyss. Quizfrage: Wäre eine 40-jährige Maschine schon «zu alt» oder noch reparierbar? «Jahrgang 1977 oder älter ist kein Problem», meint Wyss.

Mehr Infos zu den erwähnten Herstellern finden Sie auf folgenden Websites:

www.miele.ch
www.vzug.com
www.wyss-mirella.ch